"Hören Sie auf mit dieser Symbolpolitik": IOC-Vizepräsident Thomas Bach

Thomas Bach ist Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Der 54-Jährige führt in Tauberbischofsheim eine Anwaltskanzlei, ist FDP-Mitglied und Präsident der arabisch-deutschen Industrie- und Handelskammer. Als Fechter gewann Bach mit der deutschen Florett-Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Montreal 1976 die Goldmedaille. 1980 kämpfte er vergeblich als Aktivensprecher gegen den Boykott der Spiele in Moskau.


Herr Bach, Sie werden am 8. August mit der olympischen Fackel in der Hand durch Peking laufen. Wie fühlt man sich eigentlich als Teil der chinesischen Propaganda?

Thomas Bach: Wieso Propaganda? Die Fackel ist und bleibt ein olympisches Symbol.


Ein Symbol, das dem Internationalen Olympischen Komitee mehr und mehr entglitten ist.


Bach: Das IOC ist Schirmherr des Fackellaufs. Diese Konstruktion hat sich als nicht ausreichend herausgestellt. Darstellung und Route des Fackellaufs müssen grundsätzlich überdacht werden. Eine Möglichkeit wäre, zukünftig den internationalen Teil wegzulassen. Ich möchte stattdessen sichtbarer machen, dass das Feuer kein Symbol des Gastgeberlandes ist. Es braucht eine bessere Balance zwischen dem IOC und dem Gastgeber.

Wie wollen Sie verhindern, dass diese Balance nicht auch bei den Spielen in Peking kippt?

Bach: Das verhindern die festgelegten Regeln: Das IOC organisiert die Spiele, die Chinesen sind bloßer Ausrichter. Das Fernsehbild wird von einer IOC-eigenen Gesellschaft produziert. Und noch etwas: Chinas Staatschef darf die Spiele nur mit einem vorgeschriebenen Formelsatz eröffnen. Der IOC-Präsident dagegen kann eine ihm angemessene Rede halten. Es ist eine weise Entscheidung, dass bei Olympia keine politischen Demonstrationen erlaubt sind. Das gilt für alle.

Aber die Menschenrechte sind ein universelles Thema – es ist keine politische Demonstration, für sie einzutreten.

Bach: Es gibt viele universell geltende Anliegen. Man kann gegen den Hunger eintreten, gegen die Todesstrafe, für mehr soziale Gerechtigkeit oder den Weltfrieden. Das ist auch allgemeiner Konsens.

Trotzdem wird viel darüber spekuliert, was eine politische Demonstration ist und was nicht.

Bach: Sie spekulieren vielleicht, sonst nicht viele.

Einige Sportler schon.
 

Bach: Es gibt bei uns keine Unsicherheiten und keine Spekulationen. Wir haben die Aktivensprecher frühzeitig eingebunden, die mit den Athleten frühzeitig das Gespräch gesucht und sie informiert haben. Wir haben auch online ein Olympia-Net eingerichtet, in dem alle Informationen jederzeit abrufbar sind.

Manche Sportler haben Armbänder anfertigen lassen mit dem Spruch „Sports for human rights“. Dürfen sie die tragen?

Bach: Das ist ganz klar geregelt. Diese Armbänder sind in den olympischen Stätten nicht erlaubt.